Spiritualität ist gefragt

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Rückzug vom EKD-Amt. CLAUDIA MÖLLERS.

Sechs Jahre lang war München kirchenpolitisch die deutsche Hauptstadt: Der wortgewaltige Kardinal Reinhard Marx stand an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der kommunikative Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist noch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Nachdem Marx bereits im Frühjahr vom Spitzenamt zurücktrat, kündigt jetzt sein evangelischer Glaubensbruder den Rückzug an.

Bedford-Strohm hat gute formale Gründe, 2021 nicht noch einmal für sechs Jahre zu kandidieren. 2023 endet seine Zeit als bayerischer Landesbischof – er hätte kein Amt und keine Hausmacht mehr im Rücken. Ob der 60-Jährige bei einer erneuten Kandidatur wieder so ein glanzvolles Ergebnis wie 2015 mit 214 von 215 Stimmen eingefahren hätte, wäre auch fraglich. Denn der ausgewiesene Sozialethiker hat sich als oberster Repräsentant der EKD oft pointiert zu politischen Fragen wie der Seenotrettung geäußert – und dabei auch innerkirchliche Debatten nicht gescheut, wenn in der Kirche eher ein Brückenbauer gesucht wurde.

Die evangelische Kirche steht vor großen Herausforderungen: Wie und auf welchen Wegen kann sie in Zukunft Menschen noch für den Glauben gewinnen? Hier sind spirituelle Antworten notwendig. Vielleicht schlägt 2021 die Stunde einer Frau an der Spitze der EKD.

Claudia.Moellers@ovb.net

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