Spielend durch die Krise

Münchner Volkstheater. MICHAEL SCHLEICHER.

Heute kommt am Münchner Volkstheater „Der Bau“ nach Franz Kafka heraus. Es ist bereits die dritte Premiere der Spielzeit 2020/21 – und selbst, wenn der Abend künstlerisch nicht glücken sollte: Kulturpolitisch hat das Haus in der Corona-Krise vieles richtig gemacht.

Ja, Intendant Christian Stückl verlangte seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einiges ab, als er die Sommerpause vorzog und alle in den Urlaub schickte – während des Lockdowns, als man die eigenen vier Wände möglichst nicht verlassen sollte und an entspanntes Verreisen selbst innerhalb Deutschlands nicht zu denken war. Doch wo andere in Frust und Ohnmacht verharrten, hat der Theaterchef angepackt und ist der Krise einfallsreich begegnet. Sein unbedingter Gestaltungswille („Wir wollen keine Kurzarbeit. Wir wollen spielen.“) hat auch die Politik beeindruckt: Am 24. Juli ist das Volkstheater in die neue Saison gestartet.

Stückls Team ist den anstrengenden Weg mitgegangen – und darf sich jetzt freuen. Trotz (oder wegen?) des kreativen Drucks sind bereits zwei tolle Arbeiten entstanden. Das wird belohnt: Die Auslastung der ersten Wochen liegt bei 99 Prozent. Gewonnen hat zudem das Publikum in München und der Region, denn endlich wird wieder gespielt. Dass das Volkstheater dabei professionell und entspannt (!) auf die Hygieneregeln achtet, ist vorbildlich und macht das Haus zum Modell für andere.

Michael.Schleicher@ovb.net

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