Kämpfe um Berg-Karabach: Spielball großer Machtinteressen

PIA ROLFS
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PIA ROLFS

Als ob die Welt das noch gebraucht hätte: Nach der Ukraine, Belarus und Nahost wird im Osten auch der Kaukasus zum Konfliktherd – wieder einmal.

Doch dass dort jetzt ein Krieg droht, ist keineswegs Zufall. Die Länder im strategisch wichtigen Korridor zwischen Europa und Asien sind zum Spielball der Machtinteressen geworden.

Im Fall von Aserbaidschan und Armenien zeigt sich der Einfluss der Türkei und Russlands – zwei Staaten, deren Präsidenten wenig Skrupel und großen Expansionsdrang haben. Putin und Erdogan stehen schon im Syrien-Krieg und Libyen-Konflikt auf verschiedenen Seiten. Nun könnte das kleine Berg-Karabach der nächste Spielball ihres Kräftemessens werden. Die Militärmanöver, die Russland im Sommer mit Armenien und die Türkei mit Aserbaidschan abhielten, haben dafür die Vorarbeit geleistet. Ohne die militärische Unterstützung ihrer „großen Brüder“ hätten beide Länder wohl gezögert, sich in einen neuen blutigen Konflikt zu begeben.

Deutschland kann das nicht gleichgültig sein. Schon oft sind Konflikte aus dem Kaukasus nach Europa geschwappt – wie die Ermordung eines Georgiers im Berliner Tiergarten oder die Anschläge tschetschenischer Terroristen zeigen. Den machtlosen Europäern bleibt nur die Hoffnung, dass Russland zwar Erdogans Einfluss eindämmen will, aber gleichzeitig Interesse an einer Deeskalation im Kaukasus hat. Mit jeder Vermittlerrolle Putins jedoch steigt seine Macht und sinkt die Chance, ihn für andere Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen.

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