Sparer, nicht Spekulanten bestraft

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Aktiensteuer. CORINNA MAIER.

Corona kommt die Staaten teuer. Steuern brechen weg, der Schuldenstand wächst bedrohlich. Da kramen Finanzpolitiker gern mal in ihren Mottenkisten. Das tat auch Bundesfinanzminster Olaf Scholz – und förderte eine Steuer hervor, von der man eigentlich hoffte, nichts mehr von ihr zu hören: die Finanztransaktionssteuer.

Jeder Aktienkauf soll dem Plan zufolge mit einer Steuer belegt werden – 0,2 Prozent des Transaktionsvolumens. Spekulanten sollen zur Kasse gebeten werden, heißt es. In Wirklichkeit bestraft eine solche Steuer jede Investition in Unternehmen – und somit alles, was den deutschen Sparern im Nullzinsumfeld noch geblieben ist, um Renditen zu erzielen. Anleihen und Festgelder schlagen aufs Jahr gesehen nicht mal annähernd die Inflation.

Die Strafsteuer träfe in Deutschland auf eine ohnehin kaum existente Aktienkultur. Weniger als 15 Prozent der Bundesbürger haben Geld an der Börse angelegt. Dabei ist ein langfristiger Vermögensaufbau oder die private Altersvorsorge ohne Aktienengagement kaum mehr zu bewerkstelligen. Eine Steuer auf den Anteilskauf würde ein völlig falsches Signal senden.

Wenn der Bundesfinanzminister gegen Spekulanten vorgehen will, so möge er doch in der ihm unterstellten Finanzaufsichtsbehörde Bafin beginnen, die ein betrügerisches Unternehmen wie Wirecard über Jahre gewähren ließ – und deren Mitarbeiter zu allem Überfluss auch noch gern mit dem Zockerpapier handelten.

Corinna.Maier@ovb.net

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