Spanien nach der Wahl Der Souverän erwartet Staatsraison

Spanien nach der Wahl. Der Souverän erwartet Staatsraison .

INGO-MICHAEL FETH

Pedro Sanchez hat seine schöne Rechnung ohne den Wähler gemacht: Die vermeintliche Gunst der Stunde zu nutzen, um der absoluten Mehrheit weiter entgegenzurobben. Alles andere würde sich dann schon ergeben, so das Kalkül des neuen Stars am sozialistischen Himmel Europas. Selten ist ein Stern so schnell verglüht.

Das Volk so lange wählen lassen, bis das Ergebnis endlich passt? Gründlich schiefgegangen. Wieder ein Patt. Was viele nun lautstark beklagen, könnte man auch als glasklare Botschaft deuten: Die Spanier haben ihren sturen und zerstrittenen Parteien klargemacht, dass sie der taktischen Spielchen überdrüssig sind. Ein anderes Ergebnis gibt´s nicht, so spricht der Souverän, basta. Die politischen Protagonisten müssen das hinnehmen und sich im Interesse der Nation zusammenraufen.

Es ist ein Lehrstück auch für den Rest Europas, wo sich der Trend zur Zersplitterung der Parteienlandschaft weiter verstärkt. Die Bürger können trotzdem zu Recht erwarten, dass die von ihnen bestimmten Volksvertreter auch bei schwierigen Wahlergebnissen die Größe finden, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und eine stabile Regierung zu bilden. Demokratische und verfassungstreue Parteien müssen stets fähig sein, das Gemeinwohl über das Eigeninteresse zu stellen. Genau das unterscheidet sie von Populisten und Radikalen. Man nennt das übrigens Staatsraison.

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