Spätfolgen der Krise

Nullrunde durch Corona? CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Wenn es sehr gut läuft, wird es noch heuer einen Impfstoff geben, mit dem sich die Corona-Gefahr wegpiksen lässt. Die Krise wird so oder so aber noch länger bleiben. Medizinische und wirtschaftliche Folgen des Virus schlagen zeitlich versetzt ein. Jetzt wird sogar zum ersten Mal eine Nullrunde für die Rentner vorausgesagt.

Mathematisch ist das zwingend: Weil sich die Rente stark an der Lohnentwicklung aus dem Vorjahr ausrichtet, kommt in wenigen Tagen die Erhöhung um 3,45 bis 4,2 Prozent, erst Mitte 2021 dann wohl eine Nullrunde (eine Kürzung ist gesetzlich ausgeschlossen). Rentner ohne Vermögen oder weitere Einnahmen trifft das härter; viele Senioren als besonders gefährdete Risikogruppe werden das kaum als fair empfinden. Sie werden deshalb genau schauen, wer für diese Krise noch mitzahlt. Auch die Beamten und Pensionisten? Auf sie kommen jedenfalls, ebenso zeitversetzt, sehr schwierige Tarifrunden zu. Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft erleiden es sogar dreifach: aktuell durch Kurzarbeit, die jeden Vierten trifft, auf mittlere Sicht wegen der Angst um den Job und längerfristig auch wegen karger Tarifrunden.

Ist das gerecht? Man kann sagen: Die Ungerechtigkeit, unverschuldet für die Krise zu zahlen, trifft diesmal fast alle. Am längsten übrigens jüngere Generationen: Sie werden über Jahrzehnte die nun unumgänglichen Staatsschulden und Sozialkassenlöcher abzahlen. Das klingt abstrakt. Heißt aber: Auch jene Jungen, die vielerorts wieder recht unbekümmert mit Corona umgehen, werden später die Hauptlast tragen. Finanziell, und übrigens auch durch verlorene Bildungschancen in der Krisenzeit.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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