Meinung

Deutschlands Corona-Impfstrategie: Später Vorrang für die Schwächsten

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Andreas Beez

Nach Weihnachten will endlich auch Deutschland seine Bürger gegen Corona impfen lassen, und Gesundheitsminister Spahn legt der Nation einen bemerkenswert banalen Beipackzettel unter den Christbaum: „Die Schwächsten zu schützen, das ist das erste Ziel unserer Impfkampagne.“ Soso.

Von Andreas Beez

Gerade Spahn als zuständiger Fachminister hat die Schwächsten, nämlich die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, monatelang durch stoische Tatenlosigkeit im Stich gelassen. Dass Hochbetagte und Pflegekräfte jetzt als Erste drankommen müssen – eigentlich überflüssig zu betonen. Wen auch sonst als jene Altersgruppe, die dem Virus fast wehrlos ausgeliefert ist. Zumal Spahn viel zu wenig Impfstoff besorgt hat.

Die Bonsai-Mengen des Bundes werden jedenfalls nicht ausreichen, um in naher Zukunft auch jüngere vermeintliche Superspreader neben den Alten zu impfen. Alles andere als ein Vorrecht für über 80-Jährige wäre ein weiterer Kunstfehler eines bisweilen überfordert wirkenden Gesundheitsministers gewesen. Nicht nur vielen Intensivmedizinern ist es unerklärlich, warum Spahn erst auf den letzten Drücker noch mal seine Impfstrategie verändert hat. Die Erkenntnis, dass vor allem die Hochbetagten an Corona sterben, ist fast so alt wie die Pandemie selbst. Vorausschauendes Krisenmanagement funktioniert anders.

Politik@ovb.net

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