Sozialer Brennstoff in Königsblau

NRW-Bürgschaft für Schalke. DANIEL MÜKSCH.

Der Widerspruch offenbart sich bereits im ersten Satz. Da verweist Schalke 04 in der Bestätigung seiner NRW-Landesbürgschaft darauf, man erwarte, „wie jedes anderes Unternehmen behandelt zu werden“. Schalke ist aber nicht wie jedes andere Unternehmen, Königsblau vielmehr Hoffnung und Lebensmittelpunkt. Ersatzreligion für eine sozial gebeutelte Region mit einer konstanten Arbeitslosenquote von über zehn Prozent.

In diesem Klima eine Bürgschaft über 40 Millionen Euro zu Lasten der Steuerzahler zu beantragen, für einen Verein, bei dem die Profis im Durchschnitt 2,44 Millionen verdienen, ist sozialer Brennstoff. Bedenkt man, dass der Club noch vor wenigen Wochen seine Fans aufrief, auf Rückerstattungen für ausgefallene Spiele bis 2022 zu verzichten, muss man nüchtern feststellen: Hier hat ein Verein seinen moralischen Kompass verloren. Das mag für manchen Bundesligisten nicht weiter tragisch sein. Für Königsblau gehört die soziale Verantwortung allerdings zur Identität. Der Vorstand zieht sie gerne heran, um sich gegenüber der Konkurrenz abzugrenzen. Diese Möglichkeit hat man bis auf Weiteres verspielt.

Die Corona-Krise wird – wahrscheinlich – irgendwann vorbei sein. Fans werden wieder im Stadion jubeln. Hoffentlich findet der Traditionsverein zu alter, auch wirtschaftlicher Stärke zurück. Sonst drohen der königsblauen Kirche Massenaustritte.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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