Der soziale Rinder-Wahnsinn

Tiere erschrecken als Internet-Spaß. CLAUDIA MUSCHIOL.

Eine der ersten viel beachteten sogenannten Challenges in den sozialen Netzwerken war im Sommer 2014 die „ALS Ice Bucket Challenge“ (deutsch: „Eiskübelherausforderung“). Die Menschen schütteten sich eimerweise Eiswasser über den Kopf, um auf diesem Wege auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Das hat ja noch Sinn gemacht.

Doch gerade in jüngerer Vergangenheit nehmen die Entwicklungen in den sozialen Netzwerken wie TikTok oder Instagram immer absurdere Züge an. Da protzen Halbwüchsige vor ihren Freunden mit Filmchen, auf denen sie die Polizei provozieren (wie unlängst in Stuttgart), da klettern auf Klicks versessene Influencerinnen durch Naturschutzgebiete zu lebensgefährlich gelegenen Badegumpen (wie unlängst am Königssee) oder eben jetzt – und an Wahnsinn fast nicht zu überbieten – die „Kulikitaka“-Challenge, deren Ziel es ist, Kühe und deren Kälber zu erschrecken.

Landwirte sind entsetzt und appellieren an den gesunden Menschenverstand, und auch der Bayerische Bauernverband zeigt keinerlei Verständnis. Zu Recht: Denn dieser „Wettbewerb“ ist nicht nur tierverachtend, sondern auch noch lebensgefährlich – sowohl für Mensch als auch Tier. Gerade jetzt, da es immer mehr Menschen aufs Land und in die Berge zieht, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Vierbeinern wichtiger denn je.

Claudia.Muschiol@ovb.net

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