Souverän(er) durch die Pandemie

Virologe fordert mehr Gelassenheit. GEORG ANASTASIADIS.

Für Leichtsinn besteht angesichts der wieder ansteigenden Zahl der Corona-Infektionen kein Anlass, für Hysterie aber auch nicht: Der Appell des Virologen Hendrik Streeck, „souveräner“ mit dem Virus umzugehen, kommt angesichts der immer giftigeren deutschen Debatte zur rechten Zeit. Während die einen von den Corona-Maßnahmen die Nase voll haben, verfallen andere in Panik vor der „zweiten Welle“, die angeblich schon vor der Haustüre steht. Das eine ist so falsch wie das andere.

Es war stets das Ziel, die Fallzahlen beherrschbar zu halten, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Die aktuelle Entwicklung der Infektionen stellt dieses Ziel noch nicht in Frage, sagen der Bundesgesundheitsminister und die Klinikchefs. Wer trotzdem nach schärferen Maßnahmen oder gar einem zweiten Lockdown ruft, redet die zweite Welle geradezu herbei. Diese aber wäre dann eine Pleitewelle, die sich niemand wünschen kann – auch nicht die, die sich als Rentenbezieher oder Staatsbeamte in der Krise nicht um ihr Auskommen sorgen müssen, anders als Freiberufler oder Kleinunternehmer. So weit darf und wird es hoffentlich nicht kommen.

Zwischen Lockdown und Lockerung die richtige Balance zu finden und bei regionalen Ausbrüchen regional zu reagieren, das bleibt die Herausforderung in diesem Corona-Sommer und wohl noch lange darüber hinaus. Das Virus bleibt in der Welt und wird sie voraussichtlich nie mehr verlassen. Wir müssen zu einem pragmatischen Umgang mit ihm finden. Folgen wir also nicht den Ideologen, die die Gefährlichkeit des Virus in Abrede stellen, aber bitte auch nicht den Angstmachern, die die Bürger in eine Art emotionalen Dauer-Ausnahmezustand versetzen wollen. Pragmatische Lösungen werden nicht aus Realitätsverweigerung gemacht, aber auch nicht aus Angst.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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