Sorge um Patientendaten Deutschland darf nicht erstarren

Sorge um Patientendaten. Deutschland darf nicht erstarren .

SEBASTIAN HORSCH

Es gibt nichts Privateres als den eigenen Körper. Das gilt besonders, wenn er krank ist. Schon die Vorstellung, Hacker könnten an Patientendaten gelangen und damit Menschen im Internet bloßstellen, ist unerträglich. Der Schaden wäre nicht rückgängig zu machen, Existenzen würden zerstört. Ja, es wäre ein Albtraum. Doch wer glaubt, man könnte sich davor schützen, indem man die Rädchen der Zeit anhält, täuscht sich gewaltig.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen lässt sich nicht aufhalten. Das liegt zum einen daran, dass die Chancen, die sie bietet, ihre Gefahren überwiegen. Die Vernetzung von Informationen rettet Leben. Wenn im Notfall Allergien bekannt sind, wenn die Gabe zweier miteinander unverträglicher Medikamente ausgeschlossen wird, wenn die komplette medizinische Vorgeschichte einsehbar ist, nutzt das dem Patienten. Noch entscheidender aber: Die Nachfrage nach digitalen Angeboten ist längst da und sie wächst weiter. Wenn Staat und Selbstverwaltung es versäumen, gerade jungen Menschen zeitgemäße Angebote zu machen, werden sich andere finden, die es tun. Kommerzielle Konzerne weltweit warten nur darauf, in diese Lücke zu stoßen.

Deutschland darf vor der Herausforderung nicht erstarren, wie das Kaninchen vor der Schlange. Es muss die Digitalisierung nun endlich selbst entschieden vorantreiben. Nach seinen eigenen Regeln. Mit eigenen Sicherheitsstandards. Gerade weil die Gefahren so groß sind.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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