Soll der Staat Condor retten? Wahl zwischen zwei Übeln

Soll der Staat Condor retten? Wahl zwischen zwei Übeln .

MARTIN PREM

Die meisten Fluggesellschaften werden nur überleben, wenn ein Staat sie stützt. Das steht eigentlich seit Beginn der Pandemie fest. Kosten laufen weiter, während die Einnahmen einbrechen. Das hält kein Unternehmen lange aus. In dieser Branche ist nun auch früher zu sehen, welche Gratwanderung die Entscheidung über Hilfen im Einzelfall ist. Darf man die große Lufthansa retten und die kleinere Condor fallen lassen? Die eine ist im Kern stabil, die andere wird seit Jahren von einem maroden Mutterkonzern gemolken, was ein Unternehmen natürlich schwächt. Lufthansa hätte ohne Corona-Beschränkungen prosperiert. Bei Condor, die schon am Tropf der KfW-Förderbank hing, weiß man das nicht so genau. Die begrenzten Mittel eines Staates müssen schließlich wirkungsvoll eingesetzt werden. Das spricht gegen die Rettung von Condor.

Doch darf das der Maßstab sein? Der Staat entscheidet dann, welches Geschäftsmodell eine Zukunft hat. Mit Marktwirtschaft hätte eine solche Anmaßung nichts mehr zu tun. Darüber hinaus sind derartige Marktbereinigungen immer auch Gift für den Wettbewerb. Die Wirtschaftspolitik steht bald in zehntausenden Fällen vor Entscheidungen, bei denen sie nur die Wahl zwischen zwei Übeln hat. Und keiner weiß, welches am Ende das größere ist.

Martin.Prem@ovb.net

Kommentare