Söders Sorgenkinder

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Bevor Corona zu seiner tagesfüllenden Aufgabe wurde, hatte sich Markus Söder die Modernisierung der CSU auf die Fahnen geschrieben.

Mit seiner Regierungspolitik wollte der Chef die Partei ökologischer, weltoffener und fortschrittlicher aufstellen – nicht nur die Wirtschaft fest im Blick, sondern auch ein wertkonservatives, gebildetes und städtisches Publikum, das gerne in Bayern lebt, aber nicht unbedingt aus Bayern stammt. Ein ehrgeiziges Projekt, mit dem in der CSU mancher fremdelt.

Man hätte meinen sollen, dass der Münchner Bezirksverband in dieser Frage Söders natürlicher Verbündeter wäre. Ein Irrtum! Die „Großstadtpartei“ unter ihrem rustikalen Vorsitzenden Ludwig Spaenle entschied sich vor der Kommunalwahl für ein inhaltlich erstaunlich traditionelles (Auto-zentriertes) Wahlprogramm, das die moderne (Rad fahrende) OB-Kandidatin nicht wettmachen konnte. In innenstädtischen Stimmkreisen reichte das nicht mal mehr für 20 Prozent, insgesamt verlor die Partei fast acht Prozentpunkte. Dass die Wahl am 15. März nicht im kompletten Desaster endete, lag wohl nur am bereits aufziehenden Söder-Hype in der Corona-Krise.

Wirklich aufgearbeitet worden ist dieses Ergebnis nicht. Zwar macht jetzt Spaenle den Weg frei – aber es deutet wenig darauf hin, dass sich die Münchner CSU damit inhaltlich in Söders Sinne neu orientiert. Der wahrscheinlichste Nachfolger Georg Eisenreich, im bayerischen Kabinett nicht allzu auffällig, gilt in vielen Fragen als Hardliner. Der Generationswechsel mag eingeläutet sein, in der Substanz stehen die Zeichen eher auf: weiter so!

Mike.Schier@ovb.net

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