Söders kleine Korrekturen Regieren ohne Patentrezept

Söders kleine Korrekturen. Regieren ohne Patentrezept .

MIKE SCHIER

Die Tage der nationalen, pardon, freistaatlichen Einheit scheinen vorbei. Ein paar Wochen lang surfte Markus Söder angesichts der Corona-Bedrohung auf einer Welle des Zusammenhalts, die in einem unglaublichen Umfragewert von 94 Prozent Zustimmung mündete. Mit dem eigenen Bayern-Zeitplan für die Lockerungen der Maßnahmen beginnt die Einheit aber zu bröckeln. Die Opposition erwacht, Lobbygruppen erheben ihre Stimmen – es kehrt wieder ein Stück Normalität ein. Gut so!

Söder aber hat ein feines Gespür. Prinzipiell hält er an seiner vorsichtigen Öffnungs-Linie fest, was nach wie vor vielen Bayern aus der Seele spricht. Doch zugleich verfolgt er eine (für ihn wahrlich nicht typische) Corona-Strategie, die eigene Meinung nicht knallhart durchzudrücken, sondern Anregungen von außen aufzunehmen. Das war in der Parkbank-Frage so, jetzt nahm er das Anliegen (der Grünen) auf, dass sich die Bayern auch wieder mit einer Person treffen dürfen, die nicht im eigenen Haushalt lebt. Wichtig für alleinstehende Ältere! Auch bei der Ladenöffnung kam der Ministerpräsident dem Koalitionspartner einen guten Schritt entgegen.

Diese Art des Regierens mag ungewöhnlich sein. Zumal für Söder. Aber in dieser Ausnahmesituation ist sie richtig. Niemand sollte vorgaukeln, er habe ein Patentrezept.

Mike.Schier@ovb.net

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