Söders Appell an Fußballprofis Es gibt keine Solidarität

Söders Appell an Fußballprofis. Es gibt keine Solidarität .

MARC BEYER

In einer Zeit, wo das ganze Leben aus den Fugen zu geraten droht, wird der Profifußball auf ein überschaubares Maß geschrumpft. Menschen beginnen, die Kickerbranche mit anderen Augen zu sehen. Sie fragen sich, wie es sein kann, dass die Clubs jahrelang Milliarden eingenommen haben und trotzdem jetzt die ersten mit leeren Händen dazustehen scheinen. Das Gerede von Existenzsorgen offenbart nicht nur die groteske Machtverschiebung zu Gunsten der Spieler. Es muss auch Bademeistern und Friseurinnen wie Hohn in den Ohren klingen.

Markus Söders Anregung, die Profis könnten etwas an ihre Vereine zurückgeben, ist nachvollziehbar und dürfte ihm auf der Straße viel Zustimmung einbringen. Auf fruchtbaren Boden wird sie trotzdem nicht fallen. Söder appelliert an eine Solidarität, die es nicht gibt. Wäre es anders, müsste der Fußball-Revolutionär Jean Marc Bosman, der das Transfersystem aus den Angeln hob und den Spielern explodierenden Reichtum bescherte, nicht in Armut leben. Auch er hatte auf Solidarität gehofft.

In diesen Tagen wird mehr denn je klar, dass sich der Fußball viel wichtiger nimmt, als er ist. Ein Showbetrieb ohne jede Nachhaltigkeit. Auf Einsicht zu hoffen, wäre dennoch naiv. Die Branche hält ein bisschen inne, bis der Sturm vorbeigezogen ist. Die Spieler sitzen dabei am längeren Hebel. Bleiben Gehälter aus, könnten sie ablösefrei wechseln. Dann würde es erst richtig lukrativ.

Marc.Beyer@ovb.net

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