Söder zieht’s in den Norden

Erst mal nur als Urlauber. GEORG ANASTASIADIS.

Was macht ein bayerischer Prinzregent, der Kanzler werden will? Urlaub an der Nordsee! Stoiber zog es 2002 vor dem Duell gegen Gerhard Schröder auf die Insel Juist. Und Söder? Der will die teutonische Seele demnächst bei ausgedehnten Wattwanderungen erkunden.

In der Corona-Krise ist dem Bayern etwas zugewachsen, was mit „steigender Popularität“ nur unzureichend beschrieben ist. Die sicheren Auftritte, die auch medial glänzend inszenierte Rolle des besorgten Landesvaters haben ihm über den Freistaat hinaus eine natürliche Autorität verschafft, ein Macher-Image, um das NRW-Chef Laschet bisher vergeblich ringt. Dies gilt übrigens unabhängig davon, ob man nun Söders Lockdownpolitik richtiger findet oder Laschets Lockerungsübungen. Je mehr die Kanzlerin in der Corona-Politik vor den Ministerpräsidenten zurückwich, desto mehr fiel ihrem späten Gefolgsmann Söder eine bundespolitische Führungsrolle zu. Es ist offensichtlich: Dem Franken ist der Freistaat zu eng geworden. Und: Er hätte, anders als etwa Friedrich Merz, die Chance, die seit der Asylkrise in Merkelianer und die Anti-Merkelianer zerrissene Union wieder zusammenzuführen. Will er Kandidat werden, muss er freilich fortan Versuchungen widerstehen, andere Unions-Fürsten allzu klein erscheinen zu lassen; denn das schlägt Wunden und schafft Gegner.

Es läuft für den 53-Jährigen – vor allem, wenn ihm nun auch noch die SPD unter ihrem linken Führungsduo den Gefallen täte, anstelle des anerkannten Finanzministers Olaf Scholz den wenig bekannten Fraktionschef Ralf Mützenich ins Rennen um die Kanzlerschaft zu schicken.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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