Söder verkündet den Münchner Frieden

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Lockerer mit Corona und Laschet. GEORG ANASTASIADIS.

Der Wonnemonat Mai lässt Frühlingsgefühle sogar dort sprießen, wo selbst hartgesottene Romantiker schon jede Hoffnung hatten fahren lassen: So inbrünstig beschworen CSU-Chef Markus Söder und sein CDU-Kumpel Armin Laschet gestern ihre neue Männerfreundschaft, dass manchem in der Union ganz blümerant wurde. Das Klima will auch die CDU jetzt nach den strengen Vorstellungen der CSU retten, mit abermals verschärften CO2-Vorgaben. Umgekehrt tat Söder mit seinen überraschenden Öffnungsplänen für Außengastronomie, Hotels und Schulen gerade so, als sei er der neue Vorsitzende von Laschets Lockerungs-Fanclub. Kaum zu bremsen war der Franke beim Lobpreis der neuen „Gemeinsamkeit“ mit dem Kanzlerkandidaten aus Aachen.

Was ist nur geschehen? Beide, Laschet wie Söder, hatten in den Tagen zuvor viel Gelegenheit gehabt, in gähnende Umfrage-Abgründe zu blicken – und sind Profis genug, daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen. Für Laschet geht es um die Kanzlerschaft, dafür ist er durchaus ein paar Kohlezechen zu opfern bereit. Und Söder? Der kämpft um die Rettung der CSU als letzte deutsche Volkspartei. Dem Franken war nicht entgangen, dass sowohl sein Konfrontationskurs gegen Laschet als auch der betont strenge bayerische Corona-Kurs bei vielen Bayern zunehmend auf Unverständnis stieß. Der gestern verkündete „Münchner Frieden“ wird helfen, die zweifelnde Partei zu einen und so die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die CSU auch im Bund ihre Mandate und ihren Einfluss wahrt.

Mögen sie sich in Bund und Ländern jetzt wieder über Söders „Vorpreschen“ ereifern: Bayern darf sich freuen – auf ein Corona-Frühjahr, in dem die Politik statt über Verbote endlich wieder über neue Möglichkeiten für Bürger, Wirte, Künstler und Vereine nachdenkt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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