Söder reist zu Putin Lehren aus Fehlern der Vergangenheit

Söder reist zu Putin. Lehren aus Fehlern der Vergangenheit .

MIKE SCHIER

Reisen bayerischer Ministerpräsidenten zu Wladimir Putin sind vermintes Terrain. Unvergessen ist, wie Horst Seehofer 2016 völlig kritiklos den „noblen“ Putin feierte und dafür lobte, dass dieser heutzutage Konflikte ohne Krieg löse. Dummerweise bombardierten die Russen quasi zeitgleich Rebellenstellungen in Syrien. Und parallel lief der Krieg im Osten der Ukraine. Seehofer sagte dazu: „Da gibt’s jetzt Schießereien.“ Die deutschen Korrespondenten, viele von ihnen auch Berichterstatter aus den Kampfgebieten, reagierten völlig entsetzt.

Es hat lange gedauert, bis sich die bayerische Außenpolitik von dieser Reise erholt hat. Markus Söder wird also mehr als gewarnt sein, wenn er in der kommenden Woche nun seinerseits nach Moskau aufbricht. Schon seit der Amtszeit von Edmund Stoiber steht der Vorwurf im Raum, Bayern würde eher ein freundschaftliches Verhältnis zu Putin suchen als zum alten Bündnispartner USA. Söder, eigentlich eher Transatlantiker, reist deshalb im April auch nach Westen, obwohl es immer schwieriger wird, mit der Trump-Administration einen vernünftigen Gesprächsfaden zu knüpfen. Bei Seehofers Moskau-Desaster hieß der US-Präsident noch Barack Obama.

Skeptiker mögen einwenden, ob ein bayerischer Ministerpräsident überhaupt solche Reisen tätigen muss. Die Antwort lautet: Ja. Erstens weil ein CSU-Vorsitzender zu Zeiten der GroKo eben auch in der Bundesregierung Gewicht hat. Zweitens, weil Bayern sowohl wirtschaftlich wie geografisch eine zentrale Rolle in Europa spielt. Nur: Seehofer agierte damals auf eigene Rechnung, an der Kanzlerin vorbei. Söder hat daraus hoffentlich gelernt.

Mike.Schier@ovb.net

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