Söder auf Distanz zu Merz Münchner Fingerzeige an die CDU

Söder auf Distanz zu Merz. Münchner Fingerzeige an die CDU .

GEORG ANASTASIADIS

Ein paar bemerkenswerte Sätze hat ein grollender CSU-Chef Markus Söder der gestressten Schwester CDU ins Aufgabenheft diktiert: Kompatibel für neue Bündnisse solle deren neuer Anführer sein, den „Bruch“ mit Merkel vermeiden und „nicht so wie vor 20 Jahren“ Politik machen. Auch wenn es derzeit vor allem Armin Laschet ist, der hektisch mehr Distanz zwischen sich und der Kanzlerin zu schaffen versucht: Es fällt schwer, in Söders Jobbeschreibung keine Breitseite gegen Friedrich Merz zu erkennen.

Ob Bayerns Ministerpräsident damit auch für die Mehrheit seiner Parteifreunde und Wähler spricht, darf zwar bezweifelt werden. Richtig aber ist: Das Wort des CSU-Chefs hat Gewicht. Söder ist kein Merz-Fan; anders als Kramp-Karrenbauer ist der zu Alleingängen neigende Sauerländer aus München kaum steuerbar. Für Söder, der sich seit einiger Zeit zum neuen Machtzentrum in der Union aufzubauen versucht, wäre die Wahl des 64-Jährigen ein Rückschlag. Doch ganz abgesehen von der Person Merz kann kein CSU-Chef zulassen, dass die CDU und ihre Noch-Chefin AKK so tun, als kürten sie mit ihrem Parteichef schon den gemeinsamen Kanzlerkandidaten. Deshalb ist der bayerische Löwe gerade so grantig.

Besonders schwer wiegt Söders Argument, die Union könne sich in ihrer Lage kaum den Luxus leisten, einen ihrer Flügel zu vergraulen. Überlegungen, die Union künftig im Team zu führen, haben deshalb Charme. CDU-Vize Thomas Strobl regt die Bildung eines Triumvirats an, „in dem die Stärken aller drei Bewerber zur Geltung“ kommen. Auch dieser Satz ist leicht zu dechiffrieren, zumal er aus dem (Merz zugeneigten) Baden-Württemberg kommt: Der integrierende Laschet soll CDU-Chef werden, der junge Jens Spahn Fraktionsvorsitzender und der bei Basis und Wählern beliebte Merz Kanzlerkandidat. So oder so: Die CDU steht vor einer OP am offenen Herzen. Zweimal in der Geschichte, nach dem Abgang ihrer Überfiguren Adenauer und Kohl, hat die Union die Macht verloren. Es wäre nach den jüngsten Tumulten keine Überraschung mehr, wenn es nach Merkels Rückzug ein drittes Mal so käme.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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