Söder in Berlin – Aigner in München?

K-Frage in der Union. GEORG ANASTASIADIS.

Ein Schweigegelübde sollen sich CDU und CSU über die Sommerpause auferlegen. Kein Wort zur K-Frage, fordern CDU-General Ziemiak und CSU-Innenminister Seehofer. Das ist ein netter Versuch, der aus zwei Gründen aber zum Scheitern verurteilt ist. Erstens: Gut ein Jahr vor der Bundestagswahl wollen die Deutschen Klarheit, wer das Land ab Herbst 2021 führen soll. Und zweitens hat sich der aktuell stärkste Mann der Union, CSU-Chef Markus Söder, für alle sichtbar entschlossen, das Machtvakuum in der CDU zu nutzen, um eine Vorentscheidung in seinem Sinne zu erzwingen. In diesem Bestreben wird sich Bayerns Ministerpräsident nicht bremsen lassen, schon gar nicht von seinem Vorgänger Seehofer.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Umfragekönig Söder die Debatte um die Kanzlerkandidatur mit neuen Andeutungen vorantreibt. Zuletzt war es die – unübersehbar auf ihn selbst gemünzte – Bemerkung, dass Kanzler nur werden könne, wer sich in der Corona-Krise bewährt habe. Manche finden es übermütig, wie der Bayer die größere Schwesterpartei vor sich hertreibt. Doch die Stunde ist günstig: Sein Hauptrivale Armin Laschet steckt im Stimmungstief, und der zweite Favorit für den CDU-Chefsessel, Friedrich Merz, steht (noch) ohne Amt da. Söder hat mächtige Bataillone auf seine Seite gezogen: Teile der Ost-CDU, der Südwest-CDU und, noch wichtiger, das Merkel-Lager, das weder in Laschet noch in Merz den würdigen Erben der Über-Kanzlerin sieht. Wen immer die CDU im Dezember zu ihrem neuem Vorsitzenden wählt: Er wird den CSU-Chef so leicht nicht mehr zur Seite schieben können.

So freudig Söder die K-Frage im Bund befeuert, so wenig dürfte ihm die damit unauflöslich verwobene M-Frage in Bayern gefallen. Wenn Deutschland nach 16 Jahren Merkel wieder reif ist für einen Mann, so sollte Bayern reif sein für die erste Frau an der Spitze. Seehofers Kronprinzessin Ilse Aigner wäre noch immer eine gute Wahl.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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