Meinung

Neuer Dirigent fürs BR-Symphoniefunkorchester: Simon Rattle passt zu München

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Selten ist eine Entscheidung in der Kulturwelt so einhellig begrüßt worden. Dass Sir Simon Rattle Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters wird, war seit Monaten erwartet worden. Der Noch-immer-Lockenkopf passt zum Münchner Ensemble – musikalisch, menschlich und als Kulturpolitiker.

Letzteres war womöglich der wichtigste Grund für seine Verpflichtung. Der Star soll auch Schutzschild sein für ein Orchester, das sich in – notwendigen – Spardebatten immer mehr Begehrlichkeiten ausgesetzt sieht. Zudem droht das Projekt Konzerthaus, gedacht als künftige Heimat für den Klangkörper, verschoben und/oder auf fatale Weise abgespeckt zu werden.

Seit dem Tod von Mariss Jansons vor gut einem Jahr hat der Saal seinen größten, überzeugendsten, manchmal auch einzig wahrnehmbaren Fürsprecher verloren. Nachfolger Rattle soll diesen Kampf nun wieder aufnehmen – auf seine eigene, charmante, nicht minder wirkungsvolle Weise.

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Gerade deshalb brauchte das Orchester einen Prominenten, der auch jenen im Landtag und im Rundfunkrat ein Begriff ist, die beim Thema Musik zuallererst an Hoagascht und Hinterseer denken – was im Übrigen nicht verwerflich und absolut verständlich ist. Das Engagement des jetzt 65-jährigen, musikalisch polyglotten Briten mag daher keinen künstlerischen Aufbruch signalisieren und muss dies auch nicht. In Zeiten wie diesen ist Bestandssicherung manchmal wichtiger.

Markus.Thiel@ovb.net

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