Habeck als Kanzlerkandidat? Sie haben mehr Angst vor Baerbock

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Robert Habeck traut sich die Kanzlerschaft zu. Das klingt groß, ist aber banal.

Wer ein Jahr vor der Wahl unangefochten Bundesvorsitzender der zweitgrößten Partei ist, sollte tunlichst Selbstvertrauen und Lust aufs Regieren haben. In seinem Fall ist die spannende Frage eher: Wer noch traut es ihm zu? Habeck ist ein Sympathieträger, unkonventionell, klug. Der Habitus stirnrunzelnder Nachdenklichkeit überdeckt aber nicht seine groben Detailschwächen in der Tagespolitik. Ein Kanzlerkandidat kann sich solche Lücken nicht erlauben, nicht mal in der ihm so zugeneigten Berliner Medienblase.

Gut möglich, dass auf Habecks „Ich kann’s“ bald plangemäß Teil zwei folgt: der Verzicht zugunsten der Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock. Sie ist die Strategischere im grünen Duo, viele bei den Hauptgegnern Union und SPD fürchten sie weit mehr. Auch, weil sie sich als Frau klarer vom angegrauten Bewerberfeld abhebt. Man stelle sich, wozu auch schon Tapferkeit nötig ist, eine Kanzlerkandidatenriege aus Scholz und Merz vor: Baerbock hätte beste Chancen, jene wenigen Prozentpunkte von der schwarz-grünen zur heiklen grün-rot-roten Machtoption zu überspringen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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