Sicherheitsrisiko Laschet

Gütersloh im Lockdown - ein bisschen. GEORG ANASTASIADIS.

Den Start in die Ferien haben sich die 365 000 Einwohner des Landkreises Gütersloh sicher anders vorgestellt. Statt Sommerfreuden jetzt also Kontaktsperre, Grill- und Badeverbot (erstaunlicherweise aber kein Reiseverbot). Bedanken können sie sich bei ihrem Saustall-Unternehmen Tönnies, das sie und das ganze Land in Gefahr gebracht hat.

Der überfordert wirkende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat spät und halbherzig reagiert. Ob die Weiterverbreitung des Virus über die Region hinaus nach langen Tagen des Zauderns und ohne striktes Reiseverbot noch zu stoppen ist, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. In Gütersloh trifft sich zwar nicht Europas Ski-Jetset, so wie in Ischgl. Aber wenn sich auf einen Schlag mehr als 1300 Tönnies-Mitarbeiter infizieren, die an über 1000 Standorten wohnen, klingt die Beteuerung des Regierungschefs, das Infektionsgeschehen sei „klar lokalisierbar“, also beherrschbar, wie Hohn. Erneut schürt Laschet die Wut auf andere – erst waren es ausländische Tönnies-Arbeiter, diesmal sind es Urlaubsvermieter, die Gütersloher abweisen –, statt selbst Verantwortung zu übernehmen und Reisebeschränkungen für die betroffene Region zu verhängen. Mit seinem Herumgeeiere zwingt er andere wie den Bayern Söder, selbst Vorsorge für die Gesundheit ihrer Bürger zu treffen und innerdeutsche Grenzen für Urlauber hochzuziehen – ein seit der Wiedervereinigung beispielloser Vorgang.

Laschet wird so zum Sicherheitsrisiko. Der Verdacht steht im Raum, dass der CDU-Landesvater sich von Argumenten leiten lässt, die wenig mit dem Virus, aber viel mit seinen persönlichen Kanzler-Ambitionen zu tun haben. Ausgerechnet er, der König der Lockerer, sollte die mit der Kanzlerin und den anderen Landeschefs verabredete Corona-Notbremse ziehen und Deutschlands ersten regionalen Lockdown verfügen? Das durfte wohl nicht sein. Sollte sich von NRW aus nach dem Heinsberger Karnevals-Desaster tatsächlich eine zweite Corona-Welle in Gang setzen, wird sie auch Laschets Kanzler-Träume unter sich begraben.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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