Seid verschlungen, Milliarden

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Staatshilfe im Lockdown. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Es ist die Perversion von Marktwirtschaft, Betriebe zuzusperren und ihren entgangenen Umsatz aus der Steuerkasse zu ersetzen. Sie bekommen sogar in manchen Fällen mehr, als sie in diesem Pandemieherbst je gemacht hätten. Trotzdem ist Neid auf Gastronomie, Tourismus und Kultur unangebracht – kein Betrieb hat freiwillig zugesperrt, viele hatten vorbildliche Hygienekonzepte und alle haben massiv in den vergangenen Wochen gelitten. Unverschuldet. Diese Staatshilfe sei ihnen gegönnt.

Politisch ist das aber ein fragwürdiger Vorgang. Mit dem Bundes-Hilfspaket wurden auch alle Ministerpräsidenten vor allem im Osten ruhiggestellt – eigentlich: eingekauft –, die keinen pauschalen Merkel-Söder-Lockdown mittragen wollten. Zehn Milliarden Euro für einen Monat mögen schon gewöhnlich klingen auf der Corona-Schulden-Rutschbahn. Es ist aber eine aberwitzige Summe, und noch weit untertrieben. Das Geld wird nicht reichen, hinzu kommen auch massive Steuerausfälle. All das auf Pump, schönen Gruß an die nächste Generation.

Ein hartes Eingreifen gegen die explodierenden Infektionszahlen war nötig. Das rettet Leben. Ein differenzierter, intelligenter Lockdown wäre aber ähnlich wirksam gewesen: zusperren, was gefährlich und nicht regulierbar ist. Das wäre gerechter und günstiger als das Augen-zu-alles-zu-Radikalkonzept gewesen. Jetzt unterstützt die Staatskasse im Extremfall satt die Superspreader-Shisha-Bar. Und ein Betrieb, der im Oktober zigtausende Euro in Hygiene und Heizpilze investiert hat, überlebt den Winter vielleicht doch nicht. Das verstehe, wer will.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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