WIE ICH ES SEHE Die Witwe meines Jugendfreundes schickt mir dessen goldene Manschettenknöpfe zur Erinnerung an den Verstorbenen.

WIE ICH ES SEHE. Die Witwe meines Jugendfreundes schickt mir dessen goldene Manschettenknöpfe zur Erinnerung an den Verstorbenen.

Ein Konfirmationsgeschenk seines Großvaters, der noch das Kaiserreich erlebt hatte.

Die Knöpfe sind gearbeitet mit zwei goldenen Zehn-Mark-Münzen aus der Zeit der Goldwährung. Die Reichsbank gab zwar auch Banknoten aus. Die mussten aber zu 40 Prozent in Gold „gedeckt“ sein. Jedermann konnte sein Papiergeld in Gold umtauschen. Das war eine gute Bremse gegen zu viel Gelddrucken durch den Staat, wie es heute üblich geworden ist.

1914 bei Kriegsausbruch gab es Patrioten, die ihre Goldmünzen beim Staat ablieferten. Wer aber clever war, versuchte umgekehrt, so viel werthaltiges Gold zu bekommen wie möglich. Der Großvater meines Freundes hatte Anfang August im Café in der alten Frankfurter Hauptwache Herren von der nahen Börse gesehen. Die bezahlten ihren kleinen Verzehr mit 100-Mark-Scheinen. Das Wechselgeld ließen sie sich in Goldmünzen herausgeben, bis die Kellner keine mehr hatten. Was damals niemand verstand, war eine nicht sehr feine, aber doch kluge Vorsorge für die Geldentwertung, die ein verlorener Krieg bringen würde.

Die USA haben es dann nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1971 geschafft, einen Goldstandard aufrechtzuerhalten. Zum festgesetzten Preis von 35 Dollar für die Feinunze konnte man jederzeit Dollar in Gold eintauschen. Geschwächt durch den Vietnam-Krieg und Spekulation gegen den Dollar konnten selbst die starken USA dieses Versprechen nicht mehr einhalten. Die Folgen sind überall zu besichtigen. Denn bis heute nach verschiedenen Höhen und Tiefen ist der Goldpreis immerhin gestiegen, aktuell bis auf 1282 Dollar je Feinunze. In Gold gerechnet jedenfalls leben wir schon lange mit einem großen Wertverfall der Währung. Kein Wunder, wenn Zentralbanken wie die EZB ganz offiziell ein Inflationsziel von mindestens zwei Prozent im Jahr vorgeben.

Ist es nun weise, sich einen Goldschatz in den Keller zu legen, und wäre es besser, zu einer Goldumlaufwährung zurückzukehren? Nein! Denn wie schon das Wort „Geld“ sagt, besteht der Wert einer Währung darin, dass ihr vertraut wird, sodass sie etwas „gilt“. Letztendlich beruht aber auch der Wert des Goldes auf Vertrauen. Durch eine Überproduktion des Edelmetalles kann der Wert selbstverständlich auch wieder sinken. Es ist daher ein vertrauensbildender Faktor, dass unsere Bundesbank über erhebliche Goldreserven verfügt. Entscheidend ist es aber nicht. Die Deutsche Bundesbank hat in den guten D-Mark-Jahren bewiesen, dass eine Währung, die nicht ans Gold gekoppelt ist, eine immer höhere Geltung bekommen kann. Dazu gehört eine Zentralbank, die unabhängig ist und die sich nicht beeinflussen lässt von Regierungen und ihrem Wunsch nach schrankenloser Geldvermehrung. Formell ist auch die EZB so verfasst. Der Satz „Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles….“ ist eben doch nur zum Teil richtig. Die Goldmünzen meines Freundes aber, die ich jetzt tragen darf, werde ich niemals in Papiergeld umtauschen.

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Ein kleines Zurück ins Goldene Zeitalter

VON DIRK IPPEN

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