WIE ICH ES SEHE Ein über 1100 Jahre altes Gedicht...

WIE ICH ES SEHE Ein über 1100 Jahre altes Gedicht in althochdeutscher Sprache, eines der ältesten deutschen Sprachdokumente überhaupt, ist der Lorscher Bienensegen.

WIE ICH ES SEHE

Ein über 1100 Jahre altes Gedicht in althochdeutscher Sprache, eines der ältesten deutschen Sprachdokumente überhaupt, ist der Lorscher Bienensegen.Der Text aus dem Benediktiner Kloster an der Bergstrasse lautet hochdeutsch: „Christ, der Bienenschwarm ist heraus! Nun fliegt ihr, meine Bienen, kommt im Frieden des Herrn heil in Gottes Schutz heim.“ Dieses Gebet für die glückliche Heimkehr der Honigbienen-Schwärme wurde erhört. Noch nie gab es so viele Honigbienen in großen Völkern unter dem Schutz von immer mehr Imkern wie heute.

Es ist aber eine unter Fachleuten bekannte Tatsache, dass die Honigbienen ihren wilden Verwandten, den Wildbienen, das Leben schwer machen können bei der Suche nach Pollen und Nektar. Wenn sie dieselben Blüten anfliegen, werden auch Krankheiten übertragen.

Demgegenüber hat der aktuell im Volksbegehren „Rettet die Bienen“ beklagte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft für die Verdrängung der Wildbienen nur untergeordnete Bedeutung. Bereits seit 2013 dürfen sogenannte neonicotinoide Pflanzenschutzmittel auf den Feldern nicht mehr eingesetzt werden. Sie wirken auf Bienen nämlich ähnlich anziehend wie Nikotin auf die Menschen. Inzwischen hat die EU den Freilandeinsatz von drei weiteren Stoffen europaweit verboten. Ganz ohne Pestizide aber kann die Landwirtschaft nicht auskommen, weswegen sie häufig auch schon nachts aufgetragen werden, wenn die Bienen nicht fliegen. Festzuhalten ist aber auch hier, dass die verantwortungsvolle landwirtschaftliche Bearbeitung den Bienen insgesamt eher nicht schadet, denn sonst hätten die Honigbienen sich nicht so stark vermehren können, wie es der Fall ist.

Zweifellos ist aber die Zurückdrängung der Wildbienen menschengemacht, weil wir statt der Verhältnisse vor 1100 Jahren keine Wildlandschaft, sondern eine Kulturlandschaft haben. Die angeprangerte „intensive“ Landwirtschaft ist aber in Wahrheit nicht so, wie sie dargestellt wird. In Bayern zum Beispiel beträgt im Durchschnitt die Größe eines Ackerstückes nur 1,8 Hektar. Von riesigen Monokulturen, die alles andere verdrängen und der Wildbiene an Feldrändern keinen Lebensraum lassen, kann daher nicht die Rede sein. Es ist eher so, dass die allgemeine Zivilisation, die stärkere Besiedlung, die Ausdehnung unserer Städte, Straßen, Parkplätze, Gewerbe- und Neubaugebiete, die Trockenlegung von Feuchtgebieten und eben die Dominanz der Honigbiene bewirken, dass es für Wildbienen weniger geeignete Nistmöglichkeiten und Futterpflanzen gibt.

Die Honigbiene als von ihren Imkern behütetes „Haustier“ kommt mit all diesen Dingen zurecht. Sie zieht sogar immer mehr in die wachsenden Städte ein. Wer Wildbienen wie Hummeln, Mauerbienen, Pelzbienen usw. stärker schützen will, muss sich zunächst einmal an die eigene Nase fassen und damit aufhören, den eigenen Garten in eine grüne Öde aus Steinen, rasiertem Rasen und Hecken zu verwandeln.

Die Landwirte können beitragen, indem sie Ackerrandstreifen nicht mehr pflügen, wobei man aber auch wissen sollte, dass das Verwandeln von Grünland in Ackerland ohnehin schon lange nicht mehr erlaubt ist. Naturverbundene Imker sind dazu schon länger bemüht, ihre Honigbienen-Schwärme von Rückzugsgebieten der Wildbienen fernzuhalten.

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Bis heute hilft der Lorscher Bienensegen

VON DIRK IPPEN

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