Seehofer und die Seenotrettung Die Rückkehr zu den Wurzeln

Seehofer und die Seenotrettung. Die Rückkehr zu den Wurzeln .

MIKE SCHIER

Man darf sich schon ein wenig die Augen reiben: Wenn Horst Seehofer heute als Bundesinnenminister auf Malta mit anderen Ländern über die Aufnahme von Bootsflüchtlingen verhandelt, erinnert fast nichts mehr an jenen CSU-Chef, der vor einem Jahr von Angela Merkel mit harschen Worten die Zurückweisung von Flüchtlingen verlangte. Seehofer hat mal wieder eine 180-Grad-Wende hingelegt. Das Land staunt. Und die CSU gleich mit.

Es wirkt so, als wolle sich Seehofer zum Karriereende wieder auf seine Wurzeln besinnen. Als junger Sozialpolitiker war er vom Wirtschaftsflügel seiner Partei noch als Herz-Jesu-Sozialist bespöttelt worden. Doch obwohl dem Arbeitersohn das Soziale immer ein Herzensanliegen blieb, entstand während der Flüchtlingsdebatte ein ganz anderes Bild, das des herzlosen Seehofers. Ihn selbst hat das zwar wahnsinnig geärgert, vor allem weil seine Staatsregierung viel unternommen hatte, um die Flüchtlinge gut in Bayern aufzunehmen. Doch es war seine eigene Schuld, dass er seinen Dreiklang aus Humanität, Integration und Begrenzung sehr einseitig betonte.

Doch es geht nicht nur darum, ein schiefes Bild geradezurücken. Die Debatte um die Seenotrettung hat derzeit eher eine entwicklungspolitische Komponente: Die neue Regierung in Rom ist dringend auf europäische Schützenhilfe angewiesen, wenn sie dem rachsüchtigen Oppositionsführer Matteo Salvini nicht zu viele Vorlagen liefern will. Berlin hat ein starkes Interesse daran, dass das neue italienische Bündnis funktioniert. Das scheint aktuell wichtiger als prinzipielle Fragen der Seenotrettung.

Mike.Schier@ovb.net

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