Schwerer Schaden für Deutschland

Aufseher schlampten im Fall Wirecard. GEORG ANASTASIADIS.

25 Milliarden Euro war die vermeintliche Münchner Dax-Perle Wirecard in guten Zeiten wert. Dass daraus nun nahezu ein Totalverlust geworden ist, schmerzt viele Anleger. Noch gravierender aber ist der Reputationsschaden, den der Kriminalfall Wirecard am Kapitalmarkt Deutschland hinterlässt. Zu Recht stellen sich nationale und internationale Investoren jetzt die Frage, wie sicher Anlagen am deutschen Aktienmarkt sind, wenn selbst die mit höchsten Dax-Ehren dekorierten Vorzeigeunternehmen mit den Börsenaufsehern Katz und Maus spielen können. Der Rückzug verschreckter Geldgeber aber verschlechtert die Möglichkeit von Betrieben, sich am Markt mit Kapital zu versorgen, und schwächt deutsche Unternehmen im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten. Der Schaden für die Aktienkultur ist kaum zu ermessen.

Beim Blick in den Wirecard-Abgrund offenbart sich ein Systemversagen, das schaudern lässt: Obwohl es in der Presse seit über einem Jahr detaillierte Berichte über Luftbuchungen beim Aschheimer Zahlungsabwickler gab, begnügte sich die zahnlose Finanzaufsicht Bafin damit, einen Prüfauftrag an einen Dienstleister zu erteilen, der exakt einen Mitarbeiter für Wirecard abstellte. Dessen Aufklärungsarbeit wiederum erschöpfte sich darin, ein schriftliches Anfrageformular an das Unternehmen zu schicken, das lange unbearbeitet blieb. Ist das nun eine Lachnummer? Oder schon kriminelle Nachlässigkeit?

Für die deutsche Politik – die Bafin untersteht dem Bundesfinanzminister – ist der Fall umso peinlicher, als man sich in Berlin seit Jahren wenig Mühe gibt, die Geringschätzung zu verbergen, mit der man auf andere, vorzugsweise südeuropäische Aufsichtsbehörden blickt. Mit den betrügerischen, zum Teil getürmten Wirecard-Vorständen müssen sich jetzt die Strafverfolger auseinandersetzen. Das Versagen der Kontrolleure aber, da haben die Grünen Recht, muss politisch aufgearbeitet werden.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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