Scholz am Scheideweg Plötzlich auf Linie MIKE SCHIER

Scholz am Scheideweg. Plötzlich auf Linie .

MIKE SCHIER

Die neue SPD-Chefin Saskia Esken hatte mit dem ihr eigenen Charme bereits die Linie vorgegeben. „Es geht darum, dass Olaf Scholz künftig noch mehr davon umsetzt, was die Partei will“, verkündete sie nach ihrer Wahl. Vorher hatte sie sogar angezweifelt, dass Scholz ein „standhafter Sozialdemokrat“ sei. Es folgte zwar eine Entschuldigung, aber alle wussten, was und wie Esken denkt.

Die Zeiten in der SPD ändern sich rasant – und Scholz hat verstanden. Der Hamburger möchte trotz seiner Niederlage bei der Urwahl Vizekanzler und Minister bleiben, weshalb er bislang ungeahnte Schlagzeilen schreibt: Erst will er alle besteuern, die Geld in große Unternehmen investieren – so als sei Aktienbesitz in Zeiten von Negativzinsen noch ein Privileg von Reichen. Dann fällt plötzlich sein Beharren auf der schwarzen Null, obwohl die Steuereinnahmen im letzten Jahrzehnt explodiert sind.

Scholz, ein Mann der GroKo, ist Kopf eines spannenden Experiments: Mit seiner Kurskorrektur versucht er, dem neuen Führungsduo Rechnung zu tragen und gleichzeitig die Koalition und seinen Posten zu bewahren. Ähnliches dürfte man bald in der Fraktion beobachten, die Esken eigentlich skeptisch beäugt. Eher früher als später stellt sich halt die Frage, wie glaubwürdig das alles ist.

Mike.Schier@ovb.net

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