Scholz besteigt die Achterbahn

K-Fragen in SPD und Union. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Achterbahnfahrten enden selten oben. Die SPD durfte aus der kurvenreichen Kanzlerkandidatur von Martin Schulz (2016 Heilsbringer, 2017 schlechtestes Resultat der Geschichte, 2018 Versenkung) lernen, wie riskant eine zu frühe Nominierung ist. Trotzdem schieben führende Genossen im Westen 14 Monate vor der Wahl Olaf Scholz als Kandidaten nach vorne. Aus Zuneigung?

Das ist unterhaltsam, und Medien sind auch immer gern dabei. Doch im Fall Scholz hemmen die Ambitionen erkennbar sein Handeln als Bundesfinanzminister. Echte Steuerreformen, Soli, Unternehmens-Entlastungen, sogar der Streit um Kassenzettel-Bürokratie und Mehrwertsteuer-Fristen stoßen plötzlich auf seine tauben Ohren. Umgekehrt wird gegen ihn alles getan, um die Wirecard-Affäre zu seinem persönlichen Versagen hochzujazzen. All das in einer der größten Krisen des Landes. Und nicht dass es ein SPD-Problem alleine wäre. In der Union lodert die K-Frage ja schon seit Wochen. Hier ist es der unausgesprochene Machtkampf Laschet/Söder – jedes Handeln wird vor dem Hintergrund der Rivalität beobachtet.

Kurioser Nebeneffekt: Die Frage der Eignung grüner Kandidaten bleibt unter dem Radar. Der wahrscheinliche Kanzlerkandidat Robert Habeck, anders als jeder SPD-Bewerber mit Chance, floskelt und fabelt sich durch seine Auftritte, verwechselt dies und das – und keinen stört’s.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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