Scheuer kritisiert ADAC Bemerkenswerte Einmischung

Scheuer kritisiert ADAC. Bemerkenswerte Einmischung .

MIKE SCHIER

Nein, man kann nicht behaupten, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer noch großen Rückhalt genießen würde. Nicht im Volk, nicht in seiner CSU und erst recht nicht beim Parteivorsitzenden, der demnächst über eine Neubesetzung der Berliner Kabinettsposten entscheiden will. Und jetzt verscherzt es sich der passionierte Oldtimer-Sammler auch noch mit dem ADAC.

Der Automobil-Club überdenkt seine Position beim Tempolimit auf Autobahnen, weil sich inzwischen 45 Prozent seiner 21 Millionen Mitglieder für eine Geschwindigkeitsbegrenzung aussprechen. Das ist ein überraschender Schritt für einen Verband, der einst „freie Fahrt für freie Bürger“ propagierte. Noch überraschender ist nur, dass der Fachminister nun indirekt zu Protesten gegen die Verbandsspitze aufruft. Eine bemerkenswerte Einmischung! Zumal der ADAC ja keineswegs für ein Limit votiert, sondern für eine sachliche Debatte.

Jahrzehntelang war das Tempolimit ein Reizthema, das auf beiden Seiten nur Reflexe auslöste. Doch inzwischen gibt es keine eindeutigen Mehrheiten mehr – auch wenn Scheuer das nicht wahrhaben möchte. Statt Öl ins Feuer zu gießen, wäre es Aufgabe der Politik, nach praktikablen Kompromissen zu suchen, vielleicht mit einem höheren Limit als den diskutierten 130 km/h. 140? 150? Dann könnte man bei freier Strecke weiter zügig fahren – aber Lichthupen-Raser mit 220 wären Geschichte.

Mike.Schier@ovb.net

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