Ein Scherbenhaufen zur Freude Putins

Trumps Truppenabzug. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Schlimmer geht’s immer bei Donald Trump. Jetzt übersteigt auch sein angekündigter Truppenrückzug aus Süddeutschland die größten Befürchtungen. Und fast nichts davon ergibt Sinn. Der wirtschaftliche Schaden für die Regionen, auch im wohlhabenden Bayern, ist enorm. Politisch sind die Verwerfungen unter den Nato-Partnern, bisher engste Verbündete, groß. Und militärisch ist der teure Ab- und Umzug angesichts der gestiegenen Bedrohung durch Russland auch für die USA selbst Unsinn: Das Prinzip der Abschreckung, jahrelang in Kleinarbeit der Verteidigungsallianz aufgebaut, wird so ausgehöhlt. Was für ein riesiger Scherbenhaufen für ein paar innenpolitische Promillepünktchen, die Trump vor dem Wahltermin im November mit seiner harten Linie sammeln will.

Besteht Hoffnung? Wenig. Natürlich ersehnt fast der ganze Westen die Abwahl des erratischen Stolperers im Weißen Haus. Allerdings hat dieser Präsident nur in Stil und Umfang des Abzugs, aber nicht in der Grundrichtung überrascht. Schon die Vorgänger-Regierungen haben die Truppen in Europa stark reduziert. Und auch die Obama-Administration zürnte über den zu geringen deutschen Nato-Beitrag – was angesichts der teils unglücklichen Berliner Rüstungspolitik nicht aus der Luft gegriffen ist. Vielleicht werden das Repräsentantenhaus und die komplizierte Logistik den Abzug bremsen. Ganz zu verhindern ist er nicht. Die transatlantische Freundschaft erlebt einen Tiefpunkt. Wie belastbar ist sie noch?

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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