Meinung

Studie zum Rassismus bei der Polizei: Scheindebatten helfen nicht

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Kommentar – Ob es eine Studie über Extremismus bei der Polizei braucht, ist ein Musterfall für eine dieser typischen Berliner Blasen-Debatten, die weit an der Lebensrealität vorbeigehen. Echte Probleme – in Polizei und auch Gesellschaft – werden so lange mit Wortgirlanden umwickelt, bis ihr Kern nicht mehr erkennbar ist.

Stattdessen ergehen sich alle vom hinteren Unterstaatssekretär bis zum Vizekanzler unter aufgeregter Begleitung der Medien in der Machtprobe, ob es die Studie geben darf oder nicht.

Die Polizei-Studie kommt jetzt, das ist vertretbar, aber die realen Probleme werden nicht unter diesem Papierstapel verschwinden. Zum einen gibt es einen gefährlichen Anteil an Rechtsextremisten und Rassisten – weit über Einzelfälle hinaus. Die Polizei-Chefs müssen diesen Bodensatz entdecken und konsequent aus dem Dienst entfernen. Wer unsere Demokratie, unser Grundgesetz ablehnt, kann nie im Auftrag des Staates handeln.

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Zum anderen muss klar darüber geredet werden, was Alltag der Polizisten ist. Für jede gesellschaftliche Fehlentwicklung, jeden Streit, müssen sie den Kopf hinhalten. Gewalt gegen sie nimmt zu. In mehreren Bundesländern bekommen sie nicht mal politische Rückendeckung. Die Öffentlichkeit kann in politischer Korrektheit um Kriminalitätsstatistiken herumnuscheln; Polizisten erleben aber, in welchen Milieus sie immer und immer wieder Straftaten zu bearbeiten haben. Nichts davon rechtfertigt Rassismus, keinen Millimeter weit; aber es erklärt, warum der Frust unter vielen Polizisten wächst. Wer in einer Studie die Polizei untersuchen will und das ernst meint, muss sich auch diesem Dunkelfeld widmen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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