Sardinen-Bewegung in Italien Überparteilich gegen Radikale

Sardinen-Bewegung in Italien. Überparteilich gegen Radikale .

INGO-MICHAEL FETH

Selten hat ein Begriff so schnell Eingang in den aktuellen Politsprech gefunden wie „Sardinen“. Was als spontaner Flashmob am Rande der Auftritte von Lega-Chef Matteo Salvini begann, ist in Italien und darüber hinaus zum Code-Wort gegen Populismus und Extremismus geworden. Mehr als hunderttausend Menschen gingen am Wochenende in Rom und im ganzen Land auf die Straßen, um friedlich gegen die Lügenpropaganda zu protestieren, die Salvini und seine radikalen Anhänger Tag für Tag unters Volk bringen. Europafeinde und Verächter des Rechtsstaats haben die alleinige Lufthoheit über die „Piazza“ (das Äquivalent des Stammtischs) verloren.

Es ist nicht nur die junge, an ein grenzenloses Europa gewöhnte „Generation Erasmus“, die auf die Straße geht; es ist ein bunter Querschnitt der Zivilgesellschaft. Außer der Trikolore und dem europäischen Sternenbanner sind keinerlei Fahnen, Spruchbänder oder gar parteipolitische Symbole zugelassen. Statt Reden wird auf den Kundgebungen die Verfassung verlesen. Die Gefahr, von irgendeiner Seite politisch vereinnahmt zu werden, wächst parallel zum sprunghaft steigenden Zuspruch.

Bislang widerstehen die vom eigenen Erfolg überraschten Initiatoren dem Lockruf, mit den Sardinen bei Wahlen anzutreten. Sie sollten der Versuchung nicht erliegen; denn der Charme der Bewegung liegt gerade in ihrer Überparteilichkeit.

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