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CSU sackt ab, aber ihr Chef gewinnt: Ministerpräsident Söder macht’s wie Kanzlerin Merkel

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Markus Söder ist heute in Bayern, was Franz Josef Strauß nie sein wollte: Er ist „Everybody’s Darling“, überall beliebt und nach seiner Wandlung zum freundlichen Landesvater respektiert selbst im Sympathisantenkreis der Grünen. Nur für seine CSU wirft die Popularität ihres Chefs bisher keine Dividende ab.

Kommentar - Sie ist, um bei Strauß zu bleiben, in dieser Angelegenheit „Everybody’s Depp“. Viele Bayern, die Söder persönlich gut finden, kämen nicht im Traum auf die Idee, auch seine Partei zu wählen. Bei schwachen 36 Prozent dümpelt die CSU, während die Grünen auftrumpfen.

Das zeigt, dass Söders Strategie, die CSU dem Zeitgeist entsprechend ökologisch zu modernisieren und die Parteiachse sanft nach links zu verschieben, an ihre Grenzen stößt. Wichtigen Stammwählergruppen – den Landwirten, den Handwerkern, den patriotisch Gesinnten, den mittelständischen Unternehmern – hat die CSU unter seiner Führung zuletzt keine ausreichend attraktiven Angebote unterbreiten können, nicht inhaltlich und, blickt man in die zweite Reihe (und da besonders nach Berlin), auch nicht personell.

In der Migrationspolitik ist es, als habe der Chef seiner CSU ein Schweigegelübde auferlegt. Söder beschreitet damit einen ähnlichen Weg wie vor ihm Angela Merkel: Er wirkt präsidial, über den Parteien schwebend, seine Beliebtheitswerte steigen. Aber warum sie ihr Kreuz just bei der CSU machen sollen, ist manchen Wählern nicht mehr recht klar.

Daran muss Söder ab sofort arbeiten. Ein Wechsel der Berliner CSU-Minister ist ein längst überfälliger erster Schritt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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