Rückkehr zum Religionskampf

Hagia Sophia wird wieder Moschee. KLAUS RIMPEL.

Die Hagia Sophia ist ein Symbol für den politischen Missbrauch von Religion: So, wie auf viele Moscheen während der Kreuzzüge triumphal ein Kreuz über den Halbmond montiert wurde, versahen die Osmanen die einst größte Kirche der Christenheit 1453 nach der Eroberung Konstantinopels mit Minaretten. Es war Rache und eine bewusste Demütigung der Christen. Als der Gründer der modernen Türkei Mustafa Kemal Atatürk die Hagia Sophia 1934 zum Museum machte, war das auch ein Zeichen der Aussöhnung zwischen den Religionen – vor allem aber ein Symbol der neuen, säkularen Türkei.

Unter Erdogan kehrt nun die unselige Zeit des Religionskampfes zurück. Dass er die einstige Hauptkirche der orthodoxen Christen wieder als Moschee nutzen lässt, ist nicht nur eine Provokation für Christen, sondern auch für alle Kemalisten: ein weiterer Schritt, die weltliche Türkei Richtung muslimischer Gottesstaat zu schieben.

Erdogan will mit diesem Propaganda-Coup seine wegen der wirtschaftlichen Nöte bröckelnde Anhängerschaft unter den nationalistischen Muslimen wieder stärker an sich binden. Wie alle Populisten setzt er dabei auf Spaltung. Die eigentlichen Probleme seines Landes löst er damit nicht – im Gegenteil: Ohne Not treibt er die Türkei weiter in die Isolation. Hagia Sophia bedeutet „Göttliche Weisheit“ – doch erneut wird das Unesco-Weltkulturerbe zum Zeugnis politischer Dummheit.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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