Riesenärger um Ostsee-Pipeline Deutschland macht’s wie Hans im Glück

Riesenärger um Ostsee-Pipeline. Deutschland macht’s wie Hans im Glück .

GEORG ANASTASIADIS

Einen solchen Eklat zwischen den europäischen Blutsbrüdern Frankreich und Deutschland gab es lange nicht mehr: Paris stellt sich offen gegen die von Berlin unterstützte Putin-Schröder-Gaspipeline, und erst ein mit heißer Nadel gestrickter Formelkompromiss verhindert im letzten Moment, dass sich Europas führende Nationen vor aller Augen entzweien. Immer mächtiger wird die spalterische Kraft der Ostseeröhre. Putin kann sich die Hände reiben.

Denn die Saat der Zwietracht, die der Kreml immerfort sät, geht auf: Jetzt nistet der Spaltpilz bereits im Herzen des europäischen Projekts, im deutsch-französischen Verhältnis. Frankreich sieht mit Sorge, wie eng sich sein großer Nachbar an Russland bindet und dabei die Ängste der Staaten Ostmitteleuropas ignoriert, die als Gas-Transitländer bald aus dem Spiel sind. Das schwächt die Partnerschaft in Europa und weckt ungute Erinnerungen. In Warschau und Prag hat man nicht vergessen, dass sich Berlin und Moskau schon zweimal über ihre Köpfe hinweg „verständigten“. Unter Helmut Kohl war sich Deutschland seiner Verantwortung für die Kleinen noch sehr bewusst. Doch heute hat sich der deutsche Michel, nach Energiewende und Grenzöffnung, zum nächsten Alleingang aufgemacht.

Das sich moralisch überlegen wähnende Merkel-Deutschland will den Beweis erbringen, dass ein Industrieriese zugleich auf Atom und Kohle verzichten kann. Im Eifer der Klimarettung liefert es sich dem Gas-Lieferanten Russland aus. Mag ja sein, dass Moskau stets vertragstreu war. Aber in der Ukraine, mit seinem Agentenkrieg in England und seinen Hacker-Attacken gegen deutsche Ziele zeigt Putin, dass er auch anders kann. Wer Macht hat, setzt sie irgendwann auch ein. Und ist es das wert? Billiges Gas im Tausch gegen die Preisgabe der Sicherheitspartnerschaft mit den Nachbarn und der energiepolitischen Unabhängigkeit? Die Groko macht’s wie Hans im Glück: Der zog los mit einem Klumpen Gold. Den tauschte er gegen ein Pferd, dann das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen einen Schleifstein. Und zuletzt stand er mit leeren Händen da.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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