Rettet den Einzelhandel!

Karstadt-Pleite und Corona-Krise. MIKE SCHIER.

Corona-Zeit ist die Zeit der überquellenden Papiertonnen. Die Flut an Kartons symbolisiert das sich immer radikaler ändernde Konsumverhalten. Wer will sich schon mit Maske in die Schlange vor einem Laden stellen, wenn er vermeintlich bequem per Mausklick bestellen kann? Der permanente Ärger mit den Zustellern, die die Pakete irgendwo beim Nachbarn hinterlassen, oder das komplizierte Umtauschen scheinen dem Boom nichts anhaben zu können. Und der Riese Amazon wächst immer weiter.

Vermutlich war es nur Zufall, dass die radikalen Einschnitte bei Galeria Karstadt Kaufhof ausgerechnet in diese Zeit fallen. Und doch stecken sie voller Symbolik: Viele der bundesweit 62 Standorte verlieren mit dem Ende der Häuser einen wichtigen Fixpunkt ihrer Innenstädte. Durch die Corona-Folgen sind nun nicht mehr nur die ein wenig aus der Zeit gefallenen Warenhäuser in ihrer Existenz bedroht, sondern auch viele kleine Geschäfte. Das ist kein München-Problem: Wer in Bad Tölz, Rosenheim, Erding oder Fürstenfeldbruck in ein paar Jahren noch durch attraktive Stadtkerne flanieren will, muss dort auch einkaufen – jetzt mehr denn je. Die Kunden sollten sich ihrer Macht bewusst sein. Das gilt übrigens genauso für die in Schieflage geratene Gastronomie.

Doch zur Wahrheit gehört auch: Der Einzelhandel muss kreativ und flexibel sein, wenn er im Kampf gegen das Internet nicht untergehen will. Und der Staat muss ihm dazu bei den Ladenschlusszeiten mehr Möglichkeiten einräumen. Wenn Kirchen oder Gewerkschaften wie Verdi weiter jeden verkaufsoffenen Sonntag zum Generalangriff auf Arbeitnehmer umdeuten, dürfen sie mittelfristig nicht den Verlust von Arbeitsplätzen beweinen.

Mike.Schier@ovb.net

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