Retouren im Onlinehandel Kein Problem gelöst MARTIN PREM

Retouren im Onlinehandel. Kein Problem gelöst .

MARTIN PREM

Wenn ein Onlinehändler eine Bluse in drei verschiedenen Größen verpackt und verschickt, ist allen Beteiligten klar, dass wenigstens zwei davon per Retoure zurückgehen. Das weitgehend kostenlose Rücksenderecht im Online-Handel war zum Schutz der Verbraucher gedacht. In der Praxis wurde die Umkleidekabine vom Handel ins Haus des Empfängers verlagert. Und weil auch ramponierte Waren zurückgehen, bleibt in manchen Fällen neben absurden Transportwegen nur der Weg der Retouren vom Paketdienst direkt in den Müll.

Das Ganze ist ökonomisch fragwürdig und eine ökologische Katastrophe. Die Bundesregierung hat nun einen Gesetzentwurf zur Abfallvermeidung vorgelegt, der dem Missbrauch einen Riegel vorschieben soll. Versender sollen demnach künftig nachweisen müssen, dass Rücksendungen wirklich unbrauchbar sind. Mit dem bürokratischen Aufwand wird aber kein Problem gelöst.

Ein anderer Weg wäre richtig: Das Widerrufsrecht bei Online-Verkäufen sollte durch Einführung einer Gebühr auf seinen ursprünglichen Zweck zurückgeführt werden: den sinnvollen Schutz der Verbraucher. Damit wäre auch eine andere Schieflage korrigiert: Alle, die maßvoll von ihren Rechten Gebrauch machen, müssen für all die mitzahlen, die das System missbrauchen. An dieser Stelle kommt gern der Hinweis auf EU-Recht, dem man schließlich folgen müsse. Eine reine Schutzbehauptung. Normen, die sich nicht bewährt haben, kann man getrost auch europaweit abschaffen. Man muss es sogar, wenn man nicht am Ende Europa abschaffen will.

Martin.Prem@ovb.net

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