Retouren auf neuem Höchststand Wo Unvernunft auf Maßlosigkeit trifft

Retouren auf neuem Höchststand. Wo Unvernunft auf Maßlosigkeit trifft .

MARC BEYER

Die passende Hose zu finden, hatte schon immer seine Tücken, aber zu analogen Zeiten litt wenigstens nicht die Umwelt darunter. Heute kann man sich zwei, drei, vier Paar zur Vorauswahl kommen lassen und schickt dann ein, zwei, drei zurück (oder auch alle vier). Das geht wunderbar einfach und ist obendrein kostenlos.

Jedes Milchmädchen sollte wissen, dass der Preis für die Retoure selbstverständlich schon einkalkuliert ist. Nicht nur deshalb ist es beunruhigend, dass die Zahl der Rücksendungen einen neuen Höchststand erreicht hat. Es hängt ja alles mit allem zusammen: die üppige Auswahl, der schnelle Mausklick beim Kauf, die Flut von Paketen, die parkenden Transporter als Verkehrshindernis – und natürlich der eklatante CO2-Ausstoß, weil König Kunde sich die Entscheidung ein bisschen leichter machen will.

Ähnlich wie bei der Jagd auf Billiglebensmittel ist dieses Kaufverhalten schon lange nicht mehr gesund. Wo Unvernunft auf Maßlosigkeit trifft, verhallt der Appell, sich auf das Notwendige zu beschränken. Gerade auf ungezügelten Konsum – und auf den Irrglauben, dass niemand die Zeche zahlen muss – zielen die Onlinehändler ja ab. Dagegen helfen würde nur die Bepreisung von Retouren. Solange die nicht in Sicht ist, muss jeder bei sich anfangen. Tut er es nicht, braucht er sich nicht aufzuregen, wenn schon wieder der Paketdienst den Weg versperrt.

Marc.Beyer@ovb.net

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