Rentenstreit Durchsichtig und kurzsichtig SEBASTIAN HORSCH

Rentenstreit. Durchsichtig und kurzsichtig .

SEBASTIAN HORSCH

Rentner dürfen sich heute freuen. Wie schon in den vergangenen Jahren steigen zum 1. Juli ihre Bezüge an. Mit im Westen 3,18 Prozent und im Osten 3,91 Prozent fällt die Erhöhung 2019 wieder ordentlich aus. Zwar verdunkeln sich am Horizont die Wolken – denn wenn die Babyboomer bald immer zahlenstärker in den Ruhestand treten, gerät das System unter Druck. Noch aber geht es den Rentnern in Deutschland überwiegend gut. Zuletzt stiegen ihre Bezüge sogar schneller als die Netto-Löhne. Die viel zitierte Altersarmut ist in Deutschland auch deshalb (noch) kein Massenphänomen, im Gegenteil: Ältere sind seltener arm als Junge.

Trotzdem gibt es auch heute schon Menschen, die trotz eines Lebens voller Arbeit nicht von ihrer Rente leben können. Um sie zu unterstützen, hat die Große Koalition sich auf die Grundrente geeinigt, mit der kleine Renten nach 35 Jahren Arbeit, Pflege oder Erziehung aufgestockt werden sollen. Das ist sinnvoll. Doch die Umsetzung stockt, weil die SPD sich nicht mehr an die mit der Union getroffene Vereinbarung halten will, vorher die Bedürftigkeit der Rentner zu prüfen. Die Sozialdemokraten bestehen darauf, dass nach 35 Jahren auch die Renten derer auf Gemeinschaftskosten aufgestockt werden, die vielleicht bewusst wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben, weil sie anderweitig abgesichert sind. Solche milliardenteuren Wählergeschenke sind angesichts der Probleme, vor denen die Rentenversicherung absehbar steht, nicht nur durchsichtig, sondern auch kurzsichtig.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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