Die Regierungs-PR Selbstdarstellung in Schräglage

Die Regierungs-PR. Selbstdarstellung in Schräglage .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Man mag es für einen Scherz halten, wenn auch für einen schlechten: Ausgerechnet die aktuelle „Große“ Koalition, politisch dahinvegetierend und im Volk rekordverdächtig unbeliebt, hat den Etat für Eigen-Werbung und Selbstdarstellung um 63 Prozent erhöht, auf 43 Millionen Euro. Scheint ja nicht sonderlich gut zu wirken.

Im Ernst: In einer immer komplexeren Welt muss man Politik besser erklären; ja, das kostet Geld. Das Problem an den explodierenden Ausgaben liegt aber tiefer. Die Grenzen zwischen Information, Image-Pflege und Partei-PR verwischen. Gleichzeitig verlagern sich die Gewichte: Politik und Behörden versuchen Jahr für Jahr mit größeren Etats und wachsenden Kommunikationsstäben, ihr Bild positiv zu färben. Selbst die Kanzlerin empfängt lieber huldvoll das behördliche Kanzleramts-TV fürs wöchentliche PR-Video, als sich öfter als unbedingt nötig in die Niederungen kritischer Journalistenfragen zu begeben. Gern „interviewen“ sich Politiker gegenseitig, halten das für modern und freuen sich, wenn sich solch kritikloser Brei im Internet 5000 Mal klickt. Andere, wie die AfD, bauen sich im Netz gleich alternative Propagandamedien für ihre Filterblase auf, aus Steuergeld natürlich.

Darunter leidet die in der Demokratie unverzichtbare Kontrollfunktion der Öffentlichkeit. Zur Wahrheit zählt leider: Das hat auf Medien-Seite große Mitursachen: Spardruck, Strukturwandel, teils Kritik-/Distanzlosigkeit, seit 2015 offener zutage getreten. Das Verhältnis von Macht und Kontrolle, einst ausgewogen, ist längst gekippt.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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