Raus aus der Kohle bis 2038 Noch ein Experiment mit hohen Risiken

Raus aus der Kohle bis 2038. Noch ein Experiment mit hohen Risiken .

GEORG ANASTASIADIS

Wer wissen will, wie hierzulande Energiepolitik betrieben wird, musste sich nur ein paar Schlagzeilen vom Wochenende anschauen. „Hambacher Forst gerettet“, meldete der Videotext der öffentlich-rechtlichen TV-Sender am Morgen nach der Einigung der Kohle-Kommission. Bei allem Respekt vorm deutschen Hang zur Romantik: Gibt es denn wirklich kein wichtigeres Thema nach der epochalen Entscheidung, dass Deutschland nicht nur aus dem Atomstrom, sondern bis 2038 auch aus der Kohle aussteigt?

Mit dem Doppelausstieg wagt die viertgrößte Industrienation der Welt ein riskantes Experiment. Während der Nutzen umstritten ist, sind die langfristigen Folgen absehbar und gravierend: Das Aus für die Kohle bürdet Bürgern und Betrieben zusätzlich zu den bis 2050 veranschlagten Kosten der Energiewende von über 1000 Milliarden Euro weitere massive Lasten auf, es gefährdet Konkurrenzfähigkeit und Versorgungssicherheit unserer Wirtschaft und erhöht die Abhängigkeit von (Putins) Gas. Schließlich wird Strom auch dann benötigt, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Über all das wäre zu diskutieren, wenn damit wirklich ein substanzieller Beitrag zum Klimaschutz verbunden wäre. Aber die Kohle-Regierungskommission knüpft den deutschen Ausstieg nicht an die Bedingung, dass im Gegenzug eine Verminderung von CO2-Emissionen auch auf EU-Ebene sicherzustellen wäre, indem Verschmutzungs-Zertifikate aus dem Markt genommen werden. Damit ist absehbar, dass der deutsche Ausstieg wenigstens zum Teil von Atom- und Kohlestrom aus Polen und Tschechien kompensiert wird, warnt zu Recht das Münchner ifo-Institut.

So wiederholt der Kohleausstieg die Fehler der Regierung Merkel beim überstürzten Atomausstieg. Deutschland wird das Klima im nationalen Alleingang nicht retten können. Schon gar nicht mit teuren und ineffizienten Konzepten aus der Mottenkiste der Planwirtschaft.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Kommentare