Der radikale Problemverschärfer

Krawalle in den USA. FRANK HEIDENREICH.

So berechtigt die Demonstrationen in den USA angesichts des Todes von George Floyd, eines grassierenden institutionalisierten Rassismus und eines wachsenden Gefühls der Ohnmacht gegen Polizeiexzesse sind – Gewalt ist kein legitimes Mittel des Protests. Die Plünderungen und Krawalle diskreditieren die immens wichtige Bewegung. Und spielen einem in die Karten: Donald Trump.

Der US-Präsident hat nicht sämtliche Probleme verursacht, die die USA entzweien. Der Rassismus ist unseliger Teil der Geschichte des Landes. Die Gerechtigkeits-Frage schwelt schon länger, die Ungleichheit hat im Land des ungezügelten Kapitalismus groteske Züge angenommen. Aber Trump ist eben nicht an der Lösung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen interessiert. Er ist ein radikaler Problemverschärfer. Ja, Trump findet anfangs auch angemessene Worte des Bedauerns zum Tod von George Floyd. Doch der Republikaner verliert zugleich keine Zeit, um eine linksextreme Gefahr heraufzubeschwören, den demokratischen Gouverneuren Schwäche zu unterstellen – und sich martialisch als starker Mann zu inszenieren.

Die bürgerkriegsähnlichen Situationen bieten Trump die Gelegenheit, von seinem desaströsen Corona-Management abzulenken. Der Präsident zieht weiter mit seinem Freund-Feind-Lineal eine scharfe Trennlinie durch die Gesellschaft. Er bedient seine Anhängerschaft, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Fall Floyd ist eine große Tragödie. Für Trump ist er Teil seines spaltenden Wahlkampfs.

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