Meinung

Moskaus Angebot zur atomaren Abrüstung: Putin braucht positive Nachrichten

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Kommentar – Die Logik des Kalten Krieges war, dass keine Seite Atomwaffen einsetzen werde, weil das die eigene totale Vernichtung nach sich ziehen würde. Doch in Zeiten irrationaler Staatenlenker à la Trump oder Kim gilt Logik wenig.

Pakistan, Indien, Nordkorea: Die Sorge wächst, dass Atomwaffen nicht länger nur der Abschreckung dienen. Umso beunruhigender ist es da, dass Washington und Moskau sämtliche nukleare Abrüstungsabkommen aufgekündigt haben. In dieser Situation erscheint es als ein Lichtblick, wenn Wladimir Putin jetzt eine bedingungslose Verlängerung des letzten, im Februar auslaufenden Vertrags und das Einfrieren seiner Atomsprengköpfe für ein Jahr anbietet.

Es ist ein raffiniertes Angebot, denn der russische Präsident hat die prompte Ablehnung durch Washington sicher einkalkuliert: Donald Trump kann es sich mitten im Wahlkampf nicht leisten, irgendeine Nachgiebigkeit gegenüber Russland zu zeigen.

Aber Putin, der wegen Bergkarabach und der Proteste in Belarus und Kirgistan unter Druck steht, braucht positive Nachrichten – und hat wenig Interesse an einem teuren Rüstungswettlauf in Zeiten niedriger Gas- und Ölpreise. Insofern ist sein Angebot ernst zu nehmen. Joe Biden kündigte an, das Abrüstungsabkommen verlängern zu wollen: Sollte er die Wahl gewinnen, hätte er nun eine gute Verhandlungsbasis. Und wir alle das Gefühl, dass die Weltlage wenigstens ein bisschen besser wird.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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