87 Prozent für den CSU-Chef Söders neuer Sound VON GEORG ANASTASIADIS

87 Prozent für den CSU-Chef. Söders neuer Sound .

VON GEORG ANASTASIADIS

Die CSU, sagte Markus Söder in seiner Parteitagsrede, brauche einen neuen „Sound“. Die Partei soll ihr „Mia san Mia“ neu erfinden, „lässig, nicht spießig“ sein. Was er damit meint, hat der neue Parteichef zuletzt in einer Kaskade von Reden und Interviews verdeutlicht: Er will die CSU jünger, weiblicher, sympathischer, proeuropäischer, in Asylfragen schweigsamer und insgesamt ein wenig grüner machen. Um es auf eine kurze Formel zu bringen: Söder will nicht mehr der AfD die Wähler abjagen (den Job sollen die Freien Wähler übernehmen) – sondern den Grünen.

In der CSU gilt das  als mehrheitsfähig. Dass die Partei ihren neuen Chef dennoch nur mit mäßigen 87 Prozent ausstaffierte, liegt – neben vielen Verwundungen aus der Vergangenheit – auch daran, dass viele aus dem Wahlkampf noch einen ganz anderen Söder-Sound im Ohr haben und jetzt rätseln, welches nun der wahre Klang ist. In der Politik ist Glaubwürdigkeit das größte Kapital – und davon hat der neue Parteivorsitzende zuletzt eine Menge verbraucht.

Söder, das muss man ihm zugestehen, hatte vor der Landtagswahl, als Prognosen seine Partei nur noch bei 33 Prozent sahen, eine Art Nahtoderfahrung. Sie kann Menschen verändern, sie demütiger und reifer werden lassen. Bei ihrem neuen Partei- und Landeschef muss die CSU aber stets auch das Risiko einkalkulieren, dass er nur von einem Extrem ins andere schwankt. Dass er mit derselben Verbissenheit, mit der er vor der Wahl die AfD zu kopieren suchte, jetzt einen Ähnlichkeitswettbewerb mit den Grünen startet und die Partei dabei ein wenig Zeitgeist-gefälliger ausrichtet. Der Spagat, vor dem die alte Volkspartei CSU steht, ist ja auch gewaltig: Die CSU droht die Städte kulturell an die Grünen zu verlieren und die ländlichen Räume an Freie Wähler und AfD. Eine Schaukel-Strategie, die je nach Wahlausgang mal die eine, mal die andere Klientel besser bedient, wird dauerhaft nicht funktionieren. Die CSU hat ihren neuen Doppel-Chef mit aller Macht ausgestattet, die sie zu vergeben hat. Viel Macht aber braucht viel Disziplin. Die Partei muss jetzt hoffen, dass Söders Wandlung vom Taktiker zum Überzeugungspolitiker und Landesvater über den nächsten Wahltermin hinaus trägt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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