Das Provisorium muss enden

Digital-Pakt für Schulen. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Die Turbo-Super-Hyper-Floskeln nach dem großen „Digitalgipfel“ zu Bayerns Schulen können nicht über den Kern hinwegtäuschen: Die Corona-Krise hat schonungslos offengelegt, welch tristes Entwicklungsland die Schulen in der Digitalisierung waren. Es fehlte an Software, Endgeräten, Verbindungen und Kompetenz vor allem bei älteren Lehrern. Hier hat keine einzige frühere Staatsregierung die Zeichen der Zeit erkannt. Deswegen ist alles, was die Söder-Truppe jetzt anpackt, ein zu später, aber immerhin großer Schritt in die richtige Richtung.

Super gelaufen ist der Online-Unterricht 2020 nicht. Wo es geklappt hat, standen immer hochmotivierte, flexible Lehrkräfte dahinter und auch Eltern, die Zeit und Kompetenz eingebracht haben, um das Provisorium mit Videos, Livekonferenzen, Mails und der ruckelnden Mebis-Plattform am Laufen zu halten. Jede Familie kennt aber auch Gegenbeispiele: Ganze Fächer sind über Monate verschwunden. Zum Schaden der Schüler und, nebenbei, auch gewiss nicht zum Nutzen des Ansehens des Lehrerberufs. Das darf sich nicht wiederholen.

Es geht kurzfristig um Corona, weil auch ab Herbst der angestrebte Regelunterricht sicher nicht überall durchzuhalten ist. Langfristig geht es aber darum, den Unterricht endlich materiell und auch weiter inhaltlich in die Gegenwart zu heben. Digitale Bildung ist kein Notnagel für Fernunterricht, sondern vermittelt Schlüsselkompetenzen für die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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