Proteste in Südamerika Das große Misstrauen MARCUS MÄCKLER

Proteste in Südamerika. Das große Misstrauen .

MARCUS MÄCKLER

Evo Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, war mit großem Zuspruch gestartet – und endete nach 13 Jahren im Amt in der trügerischen Annahme, unersetzlich zu sein. Das hat er mit anderen Staatschefs in Südamerika gemeinsam. Auch Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro glaubt, ohne ihn breche das Chaos aus – obwohl das glatte Gegenteil der Fall ist. Und in Argentinien kehrt mit Ex-Präsidentin Cristina Kirchner eine weitere „Unersetzliche“ als Vizepräsidentin zurück an die Macht.

Die Gründe dafür, dass Menschen in vielen Ländern Südamerikas den Aufstand proben, mögen sehr unterschiedlich sein. Im Kern aber lassen sie sich auf ein tiefes Misstrauen in die politischen Führer reduzieren. So sehr sie sich an die Macht klammern, so sehr fehlt ihnen die Fähigkeit, über ihre eigene Klientel hinauszudenken. Die einen, etwa Chiles konservativer Präsident Sebastián Piñera, machen Politik für ihre Unternehmerkumpels und vergessen die kleinen Leute. Die anderen, etwa der Linke Morales, verteilen Rohstoff-Erträge großzügig und lähmen über kurz oder lang die Wirtschaft. Die Auswirkungen ähneln sich: Massendemos, Ausschreitungen, Tote.

Das Machtvakuum in Bolivien wird sicher bald gefüllt werden, womöglich mit einem konservativen oder rechten Gegenentwurf zu Morales. Das Grundproblem – das Schielen auf eine Klientel, der fehlende Wille zum Ausgleich – bleibt damit aber gleich.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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