Proteste in Frankreich Macrons Machtprobe MARCUS MÄCKLER

Proteste in Frankreich. Macrons Machtprobe .

MARCUS MÄCKLER

Man mag die Symbolik platt finden, dafür erschließt sie sich sofort: Die 280 000 Franzosen, die am Samstag überall im Land auf die Straßen gingen, trugen gelbe Warnwesten, als Warnung an Emmanuel Macron. Dabei ging es ihnen nur vordergründig um die neue Umweltsteuer auf Sprit. Tatsächlich zeigt sich anderthalb Jahre nach der Wahl eine generelle Unzufriedenheit mit dem jungen Präsidenten und seiner Regierung. Bleibt sie unbeantwortet, könnte sie zur echten Machtprobe werden.

Das ist erstaunlich, denn lange sah es so aus, als hätte Macron Unmögliches geschafft: Radikale Arbeitsmarkt- und Sozialreformen durchzusetzen, ohne Bürger und Gewerkschaften gegen sich aufzubringen. Das Besondere an den Protesten war nun aber, dass es gerade nicht die Gewerkschaften waren, die dazu aufriefen. Die „Gelbwesten“-Bewegung wurde in den Sozialen Netzwerken geboren, wo sich die Unzufriedenheit am unverblümtesten zeigt. Der auf die Straße gespülte Volkszorn ist unkontrollierbar – und deshalb so gefährlich für Macron.

Unterm Strich ist die Sache sehr einfach: Die Menschen, gerade jene außerhalb des Zentrums Paris, empfinden Macrons Politik als ungerecht. Frankreich wird zwar wieder attraktiver für Investoren, aber seine Bürger spüren zu wenig davon. Stattdessen sehen sie, dass die Arbeitslosenquote hoch bleibt und die Lebenshaltungskosten ebenso schnell steigen wie die Spritpreise. Der eifrige Reformer Macron muss schnell eine Antwort darauf finden. Sonst bleibt es nicht bei einem Warnschuss.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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