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Bitte kein Impf-Neid! Vorteile für Corona-Geimpfte sind richtig

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Die Kanzlerin und das Bundesgesundheitsministerium möchten keine Privilegien für diejenigen, die bereits eine Corona-Impfung hinter sich haben. Aber das ist falsch.

„Keine Privilegien für Geimpfte“: Beinhart verteidigen das Kanzleramt und das Bundesgesundheitsministerium ihr neuestes Corona-Mantra gegen Angriffe aus dem In- und Ausland. Gleich, ob die SPD die Öffnung der Gastronomie für Geimpfte fordert oder die verzweifelten Südländer die Einführung des EU-Impfpasses verlangen, um den Tourismus in Europa wieder in Gang zu bringen – die knappe Antwort aus Berlin lautet immer „Nein“.

Aber: Es ist die falsche Antwort – aus den falschen Gründen. Neid ist eine leider bekannte deutsche Eigenschaft, aber Impfneid bringt uns als Gesellschaft nicht weiter. Mal im Ernst: Was ist denn dagegen einzuwenden, wenn gerade die Alten, die jetzt seit einem Jahr in Angst leben, die ihnen verbliebene knappe Zeit nutzen? Zum Beispiel für eine kleine Reise, solange sie noch rüstig genug dafür sind?

Bundesregierung fürchtet sich wegen Impf-Fehlstart

Schon klar: Die Bundesregierung fürchtet wegen des verstolperten Impfstarts den Zorn der Bürger. Es wird kein Spaß, wenn auch im Sommer immer noch zu viele Bürger kein Impfangebot erhalten haben und einige schon wieder ohne Schnelltest reisen dürfen und andere nicht. Doch dürfen, nur weil sie in der Regierung ein schlechtes Gewissen haben und schwierige Debatten fürchten, nicht Millionen Bürger weiter ihrer Grundrechte beraubt werden, obwohl für sie der Grund für die Grundrechtseinschränkung entfallen ist (vorausgesetzt, Geimpfte können das Virus nicht weitergeben).

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Im Prinzip lässt sich das auch auf Europa übertragen: Gerade die Südländer leiden bitter unter den Verheerungen, die das Virus in ihren Tourismusindustrien angerichtet hat. Hunderttausende Zimmermädchen haben kein Auskommen mehr, weil die Hotels geschlossen sind. Es ist gemein, ihnen die Perspektive zu rauben und pragmatische Instrumente wie den EU-Impfpass zu blockieren, weil die Kanzlerin die Neiddebatte in ihrem eigenen Land vermeiden will. Das zieht im Ergebnis unnötig neue Grenzen hoch in Europa. Die sind zwar gerade in Mode – sogar der kleine Landkreis Miesbach sperrt freudig die Münchner aus, obwohl die Inzidenzwerte das nicht mehr hergeben. Aber es ist der falsche Weg in einer an Irrwegen schon jetzt reichen Corona-Politik.

Genauso falsch wäre es, mitten im Winter zu versuchen, eine Null-Covid-Strategie mit 7-Tages-Inzidenzen nahe null durchzudrücken, wie es etliche Berater der Kanzlerin einflüstern. Auch wenn man das Land komplett lahmlegte, würde das Virus bei den geringsten Lockerungen wieder zurückkehren. Zumindest das sollten wir nach einem Jahr Corona-Pandemie doch gelernt haben.

Schreiben Sie unserem Autor: Georg.Anastasiadis@ovb.net

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